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Zeittafeln

Die Geschichte der Erforschung des exokrinen Pankreas und der Verwendung des Wirkstoffes Pankreatin von der Antike bis zum Ende des 20. Jahrhunderts

Antike
Empedokles von Agrigent (ca. 483/82-430/420 v. Chr.): Verdauung als Umwandlung der Nahrung durch Fäulnis
Hippokrates (ca. 460-370 v. Chr.): keine gesicherten Angaben zum Pankreas
Aristoteles (384-322 v. Chr.): Pankreas als Organ mit Schutzfunktion für umliegende Gefäße
Herophilos (ca. 330/320-260/250 v. Chr.): Lage und drüsiger Bau des Organs sind bekannt
Eudemus (ca. 300 v. Chr.): möglicherweise erste Ahnung von der Funktion des Pankreas für die Verdauung
Columella: Nennung des Begriffes Fermentum (ca. 60 n. Chr.)
Seneca (4 v. Chr.-65 n. Chr.): Verwendung des Begriffes Fermentum für einen Gärungsvorgang
Galen (ca. 129-199 n. Chr.): exakte Lokalisierung des Pankreas; Polster mit Schutz-/Stützfunktion
 
ca. 1515ff.
Theophrast von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493/94-1541): Beginn der Abkehr von der Galenschen Tradition
 
1543
Andreas Vesal (1514-1564): Beginn der wissenschaftlichen Anatomie, erste Schritte zur Erschütterung der Galenschen Lehren; De humani corporis fabrica erscheint
 
1561
Gabriele Falloppia (Falloppius; ca. 1523-1562) stellt als erster die Galensche Auffassung von der Polsterfunktion in Frage
 
16/17. Jh.
Blütezeit der Tierarzneimittel nach Verbreitung der Signaturenlehre – "Dreckapotheke"
 
1622
Gaspare Aselli (Asellius; 1581-1626) beschreibt unter dem Oberbegriff Pankreas das Konglomerat an Meserentialdrüsen (Pancreas asellii) – Pankreas als Schwamm zur Aufsaugung und Weiterleitung des Chylus zu Leber und Milz
 
1628
William Harvey (1578-1657): Entdeckung des Blutkreislaufes
 
1641
Moritz Hofmann (1622-1698) findet bei einem Truthahn den Ausführungsgang des Pankreas
 
1642
Johann Georg Wirsüng (1589-1643) entdeckt den Ausführungsgang der Drüse (Ductus Wirsungianus) und seine Einmündung ins Duodenum beim Menschen
 
1648
Veröffentlichung der Schriften von Johann Baptist van Helmont (1579-1644) (postum); Unterscheidung von sechs Verdauungsstadien, Fermente als dynamisches Naturprinzip
 
1651
Thomas Bartholini (1616-1680): eingehendere anatomische Untersuchungen des Pankreas
 
1652
Nicolaas Tulp (Tulpius; 1593-1674) teilt zwei Fälle von Fettstühlen mit – Zusammenhang mit Pankreasleiden nicht sicher
 
1659ff.
François de le Boë Sylvius (1614-1672) begründet seine iatrochemische Lehre, in diesem Zusammenhang entsteht die erste Theorie über den Sinn und Zweck des pankreatischen Saftes
 
1662
Regnier de Graaf (1641-1673): erstmalige Gewinnung des Pankreassekrets durch eine künstliche Fistel (publiziert 1663/64)
 
1682/83
Johann Conrad Brunner (1653-1727): Experimenta nova circa pancreas; Exstirpationsversuche am Pankreas, bei denen keine schwerwiegenden Folgen festgestellt werden; das Pankreas gilt nicht mehr als lebenswichtiges Organ
 
1697
Georg Ernst Stahl (1659-1734): Vermutung über die verzuckernde Wirkung des Mundspeichels
 
1720
Abraham Vater (1684-1751): erste Darstellung der Papilla duodeni major
 
1724
Giovanni Domenico Santorini (1681-1737) ‚entdeckt‘ den zweiten Ausführungsgang des Pankreas und stellt ihn erstmals als normalen Befund dar (veröffentlicht 1775)
 
1732
Jacques-Bénigne Winslow (1669-1760) prägt den Begriff des petit pancréas
 
1750
Griffith Hughes: Beschreibung des proteolytischen Effektes der Carica papaya
 
ca. 1752
René Antoine Reaumur (1683-1757): erster experimenteller Beweis für die Funktion des Magensaftes bei der Verdauung
 
1757-66
Albrecht von Haller (1708-1777): Elementa physiologiae corporis humani in 8 Bänden
 
1761
Giovanni Battista Morgagni (1682-1771): De causa et sedibus morborum; Beginn des Übergangs von der Humoral- zur Solidarpathologie
 
1775
38 Jahre nach dem Tode Santorinis wird seine Arbeit durch Michele Girardi veröffentlicht
 
1775
Théophile de Bordeu (1722-1776): jedes Organ sei ein Laboratorium für einen besonderen Saft; Entstehung der ersten konkreten Vorstellung von der Endokrinologie
 
ca. 1776-1780
Lazarro Spallanzani (1729-1799): Fortsetzung und Bestätigung der Versuche Reaumurs; erste Verdauungsversuche außerhalb des Körpers
 
ca. 1780
Jean Senebier (1742-1809) benutzt die entdeckte Wirkung des Magensaftes auf Eiweiß, um schlecht heilende Wunden und Beingeschwüre mit tierischem Magensaft zu behandeln
 
1788
Cowley stellt als erster einen Zusammenhang zwischen Diabetes und Pankreaskrankheiten her
 
1791-96
Samuel Thomas Sömmerring (1755-1830): Vom Baue des menschlichen Körpers; Einführung der deutschen Bezeichnung Bauchspeicheldrüse für das Pankreas
 
Anfang 19. Jh.
aus Apotheken-Laboratorien entstehen die ersten pharmazeutischen Fabriken
 
ca. 1807
Pemberton: erster Hinweis auf das Symptom der Abmagerung im Zusammenhang mit Pankreaserkrankungen
 
1807
Philipp Franz von Walther (1782-1849): das Pankreas sei eine Drüse von ‚unterster Dignität und mindester Vollkommenheit des Baues‘
 
1810
Friedrich Hildebrandt (1764-1816): Ueber den Zweck des Pankreas
 
1816/17
François Magendie (1783-1855): Précis élémentaire de physiologie – Vermutung, das Pankreassekret sei alkalisch und eiweißhaltig
 
1817
Ernestus Sigismund Schmackpfeffer: erste klinische Beobachtung einer Pankreatitis und eines Pankreasabzesses
 
1820
Kuntzmann: Herstellung eines Zusammenhanges zwischen Fettstühlen und Pankreaserkrankungen
 
1823
die französische Akademie der Wissenschaften setzt einen Preis aus für die gelungenste Ausarbeitung über den Verdauungsprozeß
 
1824
William Prout (1785-1850): Entdeckung der Salzsäure im Magen
 
1825
François Leuret (1747-1851) & Jean-Louis Lassaigne (1800-1859): Recherches physiques et chimiques pour servir à l’historie de la digestion; Ähnlichkeit zwischen Mund- und Bauchspeichel, Stützung der These Magendies vom alkalischen, eiweißhaltigen Pankreassaft
 
1826/27
Friedrich Tiedemann (1781-1861) & Leopold Gmelin (1788-1853): Die Verdauung nach Versuchen (2 Bde.); Unterschiede zwischen Speichel und Pankreassekret, letzeres sei sauer
 
1830
Johannes Peter Müller (1801-1858): erste Unterscheidung zwischen Sekretion (für den Körper wichtiger Stoffe) und Exkretion (für den Körper nicht mehr verwertbarer Stoffe)

1830
Dubrunfaut gelingt die Herstellung eines Malzextraktes, der Stärke verzuckert
 
1831
Erhard Friedrich Leuchs (1800-1837): Identifikation der Wirkung des Speichels als Verzuckerung von Stärke
 
1832/33
Bright weist auf die Fettvermehrung in den Faeces in einigen Fällen von Pankreasentartung hin (veröffentlicht 1833)
 
1833
Anselme Payen (1795-1871) & Jean Persoz (1805-1868) fällen durch Alkohol aus Malzextrakt einen Stoff aus, der auf Stärke wirkt: Diastase
 
1834
Johann Nepomuk Eberle (1798-1834): Physiologie der Verdauung – erste Versuche mit ‚künstlich‘ hergestellten Verdauungssäften
 
1834ff.
Joh. Müller vermutet im Magensaft eine Substanz, die auf Fleisch ähnlich wirkt wie Diastase auf Stärke – er übernimmt von Eilhard Mitscherlich (1794-1869) den Begriff Kontaktferment und betrachtet den Magenschleim als ein solches; sein Schüler Schwann erhält den Auftrag, dieses Ferment zu suchen, und nennt die Substanz Pepsin
 
ca. 1835
Jöns Jacob Berzelius (1779-1848) erklärt die Enzymwirkung anhand seiner Theorie der Katalysatoren
 
ca. 1836
Theodor Ambrose Hubert Schwann (1810-1882) entdeckt das Pepsin und extrahiert es aus dem Magensaft
 
1838
Johann Evangelista Purkinje (1787-1869) & Samuel Moritz Pappenheim (1811-1882) entdecken im Pankreassekret einen Verdauungsstoff für stickstoffhaltige Körper
 
1839
Adolf Wasmann (1807-1853) entwickelt eine Vorschrift zur Bereitung von Pepsinextrakten durch Fällungsreaktionen
 
1842
Heinrich Joseph Claessen: Die Krankheiten der Bauchspeicheldrüse
 
1843
William Brockedon (1787-1854): Anmeldung eines Patentes für Komprimate (Tabletten)
 
1844
Gabriel Gustav Valentin (1810-1883): Entdeckung der zuckerbildende Wirkung des Pankreassekretes
 
1845
Louis Mialhe (1807-1886) versucht, den Wirkstoff des Mundspeichels, den er Ptyalin nennt, zu isolieren
 
1849
Arnold Adolph Berthold (1803-1861) erbringt den Beweis für die Existenz einer inneren Sekretion
 
1849ff.
Claude Bernard (1813-1878) veröffentlicht seine Arbeiten über das Sekret der Bauchspeicheldrüse; Hervorhebung der Fähigkeit des Sekrets, neutrale Fette zu spalten und zu emulgieren – bei Absperrung des Pankreassaftes vom Darm fände keine Fettresorption statt
 
1852
Lucien Corvisart (1824-1882) behandelt Dyspepsie-Patienten mit tierischem Magensaft
 
1852
Friedrich Heinrich Bidder (1810-1894) & Carl Schmidt (1822-1894): Die Verdauungssäfte und der Stoffwechsel; der Pankreassaft habe ausschließlich eine Wirkung auf Stärke
 
ca. 1853
Herbst u.a. bestreiten, allein das Pankreas könne die Fettresorption bewerkstelligen, und heben die Bedeutung der Galle hervor
 
1854
Reeves weist erneut auf den Zusammenhang zwischen Pankreasentartungen und Fettstühlen hin
 
1856
Bernard: Mémoire sur le Pancréas
 
1856
Friedrich Witte (1829-1893), Besitzer der Hirschapotheke in Rostock, gründet ein Engros-Drogengeschäft und eine Fabrik; mit Pepsin und Peptonen erreicht er in der Folgezeit eine führende Marktposition
 
1857/58
Corvisart entdeckt das eiweißverdauende Ferment der Bauchspeicheldrüse
 
1860/1861
Joseph Alexander Fles (1819-1905): Behandlung eines Diabetikers mit Kalbspankreasextrakten (veröffentlicht 1864)
 
1861/62
Ernst Wilhelm von Brücke (1819-1892): annähernd reine Darstellung des Pepsins
 
1861/62
Alexander Jakulowitsch Danilewsky (1838-1923): Untersuchungen an künstlichem/natürlichem Pankreassekret; drei physiologische Wirkungen feststellbar, Existenz dreier Fermentkörper
 
1861-1865
die Pharmacopoea Germaniae entsteht als erstes – nichtamtliches – Arzneibuch des Deutschen Apotheker-Vereins
 
1862
Anwendung des Begriffs tablet auf Komprimate Brockedonschen Typs
 
1863
Rudolf Virchow (1821-1902) beschreibt erstmals eine Zystenbildung im Pankreas
 
1863
Julius Cohnheim (1839-1884): annähernd reine Darstellung des Ptyalins
 
1867
Lord Joseph Lister (1827-1912) veröffentlicht die erste Abhandlung über sein antiseptisches Prinzip
 
1867
Theodor Albrecht Edwin Klebs (1834-1913) erwähnt das Vorkommen multipler Zystenbildung im Pankreas
 
1867ff.
Willy Kühne (1837-1900) befaßt sich mit der eiweißverdauenden Wirkung des Pankreassaftes
 
2. Hälfte 19. Jh.
Beginn der industriellen Pillenfertigung – im letzten Drittel des 19. Jh. entstehen die ersten sog. galenischen Fabriken
 
1868
Kleberg: Bericht des ersten Falles einer partiellen Pankreasexstirpation beim Menschen
 
1869
Paul Langerhans (1847-1888): Dissertation Zur mikroskopischen Anatomie der Bauchspeicheldrüse; die Entdeckung der Inselzellen bleibt vorerst unbeachtet
 
1869
Brücke: Beiträge zur Lehre von der Verdauung
 
1869
Langdon-Down berichtet über einen Fall, ähnlich Fles; der Behandlungserfolg wird nicht mit Drüsensubstanz, sondern mit käuflichem Pankreatin erzielt
 
1872
Inkrafttreten der Pharmacopoea Germanica in lateinischer Sprache (Deutsches Arzneibuch, DAB 1) – Pepsinum, Vinum Pepsini bereits aufgenommen
 
1872
Wilhelm Olivier von Leube (1842-1922) führt Pankreas-Nährklistiere in die Therapie ein
 
1872
Olof Hammarsten (1841-1932): Entdeckung des bei Kälbern stark ausgeprägten Labfermentes; das Zymosin könne erst nach Aktivierung seiner Vorstufe Prozymosin durch verdünnte Säuren wirksam werden
 
1873
Witte in Rostock bringt Pepsin als Präparat auf den Markt
 
1874
Beginn der Tablettenproduktion in Deutschland durch Isidor Rosenthal (1836-1915)
 
1874
Wilhelm Ebstein (1836-1912) und Paul Grützner (1847-1919) weisen das Pepsinogen in der Magenschleimhaut nach
 
1875
Rudolf Peter Heidenhain (1834-1897): im Pankreas befände sich kein freies Ferment, sondern nur ein Mutterkörper, Vorschlag der Bezeichnung Zymogen
 
1875
Nikolaus Friedreich (1825-1882) liefert einen 80seitigen Beitrag über die Krankheiten des Pankreas für Ziemssens Handbuch, der bald als klassisch gilt und einen Anstoß zur stärkeren Beachtung des Organs gibt
 
1875/76
Kühne schlägt als Bezeichnung für sog. chemische Fermente den Begriff Enzym vor; das eiweißverdauende Enzym des Pankreas nennt er Trypsin; er stellt fest, das Pepsin zerstöre das Trypsin, nicht umgekehrt
 
1877
Hermann Engesser (1846-1892): Das Pankreas. Seine Bedeutung als Verdauungsorgan und seine Verwerthung als diätetisches Heilmittel; Engesser ist der erste, der sich in einem größeren Umfang Gedanken über eine sinnvolle therapeutische Verwendung der Drüse macht
 
1879
Carl Anton Ewald (1845-1915): Die Lehre von der Verdauung; er unterzieht diverse im Handel befindliche Pepsin-, Pepsin-Ptyalin-Präparate und Pankreatine einer kritischen Prüfung; eine therapeutische Verwendung von Pankreatinen per os sei grundsätzlich nicht möglich, da die Fermente durch die Magenverdauung zerstört würden
 
1879
Engesser liefert einen Nachtrag zu seiner Arbeit von 1877
 
1880er Jahre
die schnell wachsende pharmazeutische Industrie bringt zunehmend synthetische Arzneimittel auf den Markt
 
1880
Ewald veröffentlicht nochmals eine kritische Beurteilung der im Handel befindlichen Pepsine und Pankreatinpräparate
 
1880
weitere Veröffentlichung Ewalds, diesmal eine Auseinandersetzung speziell mit dem Engesser-Pulver
 
1881
Theodor Billroth (1829-1894): erste Magenresektion
 
1882
Inkrafttreten des DAB 2 (lat.); Planung einer Übersetzung
 
1883
Carl Gussenbauer: erster chirurgischer Eingriff am Pankreas
 
1883
Pierre Emile Duclaux (1840-1904) schlägt vor, Enzyme nach ihren Substraten zu benennen und auf "-ase" enden zu lassen
 
1886
Ismar Boas (1858–1938) eröffnet in Berlin die erste Fachpraxis für Magen-Darm-Krankheiten: die Geburtsstunde des Fachgebietes Gastroenterologie
 
1886
Marcel von Necki (1847-1901) stellt fest, daß Galle die Pankreaslipasen aktiviert
 
1889
Charles Edouard Brown-Séquard (1817-1894): Selbstversuche mit Tierhodenextrakten, Beginn der Ära der Hormontherapie – in der Folgezeit werden Extrakte aus Nebennieren, Schild-/
Hirnanhangdrüse, Ovarien, Stierhoden etc. in den Arzneischatz aufgenommen – zumindest die Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten ist erfolgreich
 
1889
Leube weist auf die großen Schwierigkeiten bei der Therapie von Pankreaskrankheiten hin; häufig träten Pankreaserkrankungen zusammen mit Diabetes mellitus auf
 
1889
Joseph Freiherr von Mering (1849-1908) und Oscar Minkowski (1858-1931): nach Totalexstirpation des Pankreas bei Hunden tritt immer sofort Diabetes auf
 
1889/90
Abelmann: Ueber die Ausnutzung der Nahrungsstoffe nach Pankreasexstirpation, mit besonderer Berücksichtigung der Lehre von der Fettresorption
 
1890
Inkrafttreten des DAB 3 in dt. Sprache mit lat. Nomenklatur
 
1893
der Chemiker Wilhelm Weber aus Ettingen/Baden, einer der Pankreon-Erfinder, promoviert in Rostock
 
1893
Minkowski: erste parenterale Zufuhr eines Pankreasextraktes durch subkutane Injektion; Minkowski, Hédon und Thiroloix entdecken (zw. 1889-1893), daß nach Pankreasexstirpation der Diabetes ausbleibt, wenn Pankreassubstanz irgendwo unter die Haut transplantiert wird, und liefern damit die Grundlage für die nun folgenden Versuche der Therapie des Diabetes mit Pankreasextrakten
 
1894
W. Körte versucht die operative Behandlung einer akuten Pankreatitis
 
1894
Wilhelm Ostwald (1853-1932): Präzisierung des Katalysebegriffs – dies und die Enzymtheorie Emil Fischers (1852-1919) führt zur Entdeckung Buchners, daß man das angeblich an Hefe gebundenen Ferment durch zellfreie Hefe ersetzen kann
 
1894
Wood führt Pankreatin in der Gerberei ein – als Ersatz für die bisher verwendeten Tonnen von Hundekot
 
1895
der Chemiker Franz Thomas aus Aachen, einer der Pankreon-Erfinder, promoviert in Rostock; die Arbeit wird ausgeführt im organischen Laboratorium der Königlichen Technischen Hochschule zu Aachen
 
1895
Ismar Boas: Gründung des Archiv für Verdauungskrankheiten; weltweit das erste Fachorgan auf diesem Gebiet
 
1896
Maurice Hanriot (1854-1933) weist ein fettspaltendes Ferment im Serum nach und nennt es Lipase – später Sammelbezeichnung für die Enzymgruppe
 
1897
Eduard Buchner (1860-1917): man kann ‚geformte‘ Fermente durch hohen Druck oder organische Lösungsmittel ‚abtöten‘, sie behalten dabei die Fähigkeit, Gärungsprozesse auszulösen
 
1898
Carl von Noorden (1858-1944): Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung (2. Aufl.)
 
1898
Leopold Oser (1839–1910): Die Erkrankungen des Pankreas; er beklagt das immer noch zu geringe klinische Wissen über Pankreaserkrankungen, das allerdings durch die Erkenntnisse der Chirurgen einen deutlichen Aufschwung nehme
 
1899
Iwan Pawlow (1849-1936) entdeckt die Enterokinase
 
1900
Markteinführung von Pankreon – M. Gockel verfaßt im Centralblatt für Stoffwechsel- und Verdauungs-Krankheiten die erste Beschreibung des neuen Medikamentes; Carl Wegele bestätigt Gockels Angaben
 
1901
Loeb berichtet Gutes über Pankreon
 
1902
Sir William Maddock Bayliss (1860-1924) und Ernest Henry Starling (1866-1927) entdecken das Hormon Sekretin
 
1902
Siegfried Rosenberg berichtet Gutes über Pankreon; ebenso
H. Salomon; Greder bespricht die bisher erschienenen Aufsätze über das neue Medikament
 
1903
Siegfried Schweiger berichtet Gutes über Pankreon
 
1907
Ph. Fischer & J. Hoppe berichten über gute Erfahrungen mit Pankreon; ebenfalls Julius Bence
 
1908
in den USA wird ein Bericht des Council on Pharmacy and Chemistry veröffentlicht; es geht darum, ob Pankreon als Arzneimittel anerkannt werden soll; die von einer Reihe Autoren in Deutschland berichteten positiven Erfolge mit Pankreon werden von den Amerikanern der Tannin-Wirkung zugeschrieben
 
1908
Carl von Noorden äußert sich über Pankreon: einerseits sei Pankreon das einzige Präparat, daß sich unter allen Pankreatinen bisher bewährt habe, andererseits beurteilt er die Anbindung des Wirkstoffs an Tannin skeptisch
 
1909
Karl Walko äußert sich positiv über Pankreon
 
1909
Walter Kausch führt als erster eine erfolgreiche Duodenopankreatektomie durch
 
1909
erste Vermutungen, daß neben dem Pepsin noch ein weiteres Enzym im Magensaft enthalten ist (Kathepsin)
 
1920
Pankreatine werden inzwischen nicht nur in der Gerberei, sondern auch zum Entbasten von Seide oder in Waschmitteln eingesetzt
 
1921
Frederick Grant Banting (1891-1941) und Herbert Best (1899-1978) isolieren das Insulin – Beginn der Insulingewinnung aus Tierpankreas
 
1925
James Batcheller Sumner (1887-1955) gelingt als erstem, ein Enzym, die Urease, als Protein zu identifizieren und in kristalliner Form darzustellen
 
ca. 1925
die ersten pflanzlichen Enzympräparate kommen auf den Markt, z.B. Papain; zunehmende Bedeutung etwa seit den 30er Jahren
 
1929
Richard Willstätter (1872-1942) & Eugen Bamann (1900-1981) entdecken das Kathepsin in der Magenschleimhaut
 
1930
John Howard Northrop (1891-1987) kristallisiert das älteste bekannte Enzym: das Pepsin
 
1930
Siegwart Hermann & Paul Neuschul veröffentlichen eine vergleichende Untersuchung von Pankreaspräparaten; die Zahl dieser Mittel ist seit 1925 erheblich gestiegen – sie untersuchen 12 Präparate, es ergeben sich erhebliche qualitative Unterschiede
E. Kaufmann veröffentlicht eine ähnliche Untersuchung
C. A. Rojahn & J. A. Müller untersuchen ebenfalls 11 Präparate auf ihre Fermentwirkung, vorerst ohne Berücksichtigung der Einwirkung des Magensaftes: Pankreon-Tabletten enthalten bei allen drei Enzymgruppen die besten Werte
 
1931
H. Lewy kritisiert die Ausführungen von E. Kaufmann, der Pankreon negativ beurteilt hatte
Rojahn/Müller veröffentlichen die Fortsetzung ihrer Untersuchungen, diesmal wird die Einwirkung des Magensaftes berücksichtigt
 
1932
Ernst Waldschmidt-Leitz & Anton Schäffner prüfen Fermentpräparate und heben die angeblichen Vorteile einer Dragierung hervor
 
1931/32
Northrop & Kunitz isolieren das Trypsin
 
1933
Northrop & Kunitz unterscheiden das Chymotrypsin vom Trypsin und stellen es in kristalliner Form dar
 
1935ff.
Säureschutzüberzüge werden gelegentlich kritisiert, manchmal würden die Enzyme nicht rechtzeitig freigesetzt, außerdem gingen viele Krankheiten, bei denen Pankreaspräparate indiziert sind, mit verminderter Salzsäureproduktion im Magen einher
 
Mitte der 30er Jahre
Allan O. Whipple (1881-1963) entwickelt ein Standardverfahren zur Pankreasteilresektion, später kurz Whipple genannt
 
1936
Erstbeschreibung der Mukoviszidose unter dem Namen Zystische Pankreasfibromatose durch Fanconi/Uehlinger/Knauer
 
1938
es gibt in Deutschland insgesamt nur fünf Klinken, die sich mit Pankreas-Diagnostik und -Symptomatologie befassen
 
1930-1939
insgesamt 11 weitere Enzyme bzw. -vorstufen sind in diesem Zeitraum als kristalline Proteine dargestellt worden
 
ca. 1940
die Beigabe von Zellulasen und Hemizellulasen zu Enzympräparaten wird gelegentlich als überflüssige Zerstörung natürlicher Ballaststoffe kritisiert
 
1942
erste totale Pankreatektomie durch Rockey, der Patient überlebt nur 15 Tage
Priestley führt die gleiche Operation durch, sein Patient ist noch 5 ½ Jahre später wohlauf – die grundsätzliche Möglichkeit einer erfolgreichen Operation ist damit bewiesen
 
1944
S. Farber schlägt für Cystic Fibrosis (CF) den Namen Mucoviscidosis vor
 
ca. 1953
gut 10 Jahre nach der ersten totalen Pankreatektomie gibt es weltweit erst 36 Patienten, die sie überlebt haben; die postoperative Mortalität liegt bei 50%
 
1953/54
E. Balzer & K. Werner prüfen diverse Pankreaspräparate: die besten seien Pankreon, Festal und Combizym
 
1954
Fritz Bramstedt & Gerd Kröger weisen durch rundfilterchromatographische Untersuchungen auf die Differenzen zwischen den Abbauprodukten pflanzlicher und tierischer Enzymgemische hin
 
1956
K. Heinkel spricht sich – wie schon Autoren Mitte der 30er Jahre – für die Applikation von Fermenten in magenlöslicher Form aus: bessere Vermischung mit dem Speisebrei, außerdem häufig Unterfunktion des Magens
 
1960er Jahre
in Fällen schwerer Pankreasinsuffizienz müssen auch von den besseren Präparaten noch bis zu 40 Dragees täglich eingenommen werden
 
1961
Gründung der FIP-Kommission (Fédération Internationale Pharmaceutique)
 
1963
Stanford Moore (1913-1982) und William Howard Stein (1911-1980) entschlüsseln erstmalig die vollständige Aminosäuresequenz eines Enzyms, der Ribonuklease
 
1968
nur noch wenige Präparate mit ausschließlich pflanzlichen Enzymen, dagegen eine Reihe von Kombipräparaten – insgesamt 74 Fermentpräparate von 53 Herstellern – sind auf dem Markt (ohne diejenigen, die nur Magenfermente enthalten)
 
1968/69
Einführung der FIP-Einheiten
 
1977
David Y. Graham spricht sich für die Vorteile nicht magensaftresistenter Darreichungsformen von Pankreatin-Präparaten aus
 
1979
Neubauer et al. belegen die Vorteile der Enzymsubstitution mit nicht magensaftresistenten Präparaten
 
1983
Markteinführung Kreon
 
1983ff.
die jetzt üblich werdende säureresistente Mikropelletierung revolutioniert die Behandlung CF-Kranker
 
1984
Umbenennung der FIP-Einheiten in Ph.-Eur.-Einheiten (Europäische Pharmakopöe)
 
1985
das Gen, das die CF-Mutation auslöst, wird entdeckt
 
Mitte der 90er Jahre
inzwischen genügt – z.B. bei chronischer Pankreatitis – in der Regel eine Dosis von 1-3 Kapseln eines modernen Enzympräparates pro Mahlzeit
 
1995/96
Einführung des Elastase-1-Tests, erhebliche Verbesserung der diagnostischen Möglichkeiten bei Pankreaserkrankungen
 

Produkt- und Firmengeschichte – vom Pankreon der Rhenania bis zur Kreon-Reihe der Solvay Arzneimittel GmbH

1852
Friedrich Wilhelm Hasenclever (1809-1874) gründet mit Max Braun und Eugène Godin die Schwefelsäure- und Sodafabrik Hasenclever & Co. (Aachen)
 
1856
Umwandlung der Fabrik Hasenclever & Co. in Chemische Fabrik Rhenania AG in Aachen
 
ca. 1897
Rhenania bringt ein gut wirkendes Pankreatinum absolutum auf den Markt
 
1899
Kaliwerke Friedrichshall werden AG (gegr. 1896)
 
22.04.1900
Patentanmeldung: Verfahren zur Herstellung eines gegen die Magenverdauung widerstandsfähigen Pankreaspräparates (Thomas/Weber); Deutsches Reichspatent DE 128419
 
Herbst 1900
Markteinführung von Pankreon
 
02.11.1900
Patentanmeldung: Verfahren zur Herstellung eines silberhaltigen Pankreaspräparates (Thomas/Weber); Deutsches Reichspatent DE 128214
 
13.11.1900
Patentanmeldung: Verfahren zur Herstellung schwermetallhaltiger Pankreaspräparate (Rhenania); Deutsches Reichspatent DE 131640, Zusatz zum Patent 128214
 
1901
die Produktion der pharmazeutischen Produkte der Rhenania wird in eine eigens dafür errichtete Fabrik nach Altona verlegt
 
17.08.1905
Patentanmeldung: Verfahren zur Herstellung gegen die Magenverdauung widerstandsfähiger Organpräparate u. dgl. (Rhenania); Deutsches Reichspatent DE 183713, Zusatz zum Patent 128419
 
1920
Fusion der Rhenania: Rhenania Verein chemischer Fabriken AG, Aachen; seit November 1923 vorübergehend mit Sitz in Köln
 
1921
Gründung der Krause-Medico GmbH München, Hersteller pharmazeutischer Produkte nach dem Dispert-Verfahren, u.a. Pankreas-Dispert
 
1925
Anschluß Kunheim: Rhenania-Kunheim Verein Chemischer Fabriken AG in Berlin (Verwaltungsgebäude Kunheim)
 
1928
Aufnahme des Rhenania-Kunheim Verein Chem. Fabriken durch die Kaliwerke Friedrichshall AG: Gründung der Kali-Chemie AG in Berlin (Sitz weiterhin im ehemaligen Kunheim-Gebäude) – die pharmazeutische Abteilung der Kali-Chemie nennt sich weiter Abteilung Rhenania-Kunheim
 
Ende 1935/1936
die Kali-Chemie AG übernimmt die Chemische Fabrik Güstrow und Krause-Medico München – eine Spezialität der Krause-Medico ist die Dispert-Technologie (z.B. Pankreas-Dispert, auch Baldrian-Dispert)
 
1937
Umzug der Kali-Chemie innerhalb Berlins; Erwähnung einer Rhenania Pharmaz. Abteilung der Kali-Chemie AG in Sehnde/Hannover
 
1944/45
Zerstörung des Hauptsitzes der Kali-Chemie in Berlin
 
März 1945
Verlagerung des Hauptsitzes der Kali-Chemie nach Sehnde/
Hannover
 
1946/47
Wiederaufnahme der Produktion in Altona und München
 
1951
Bau des neuen Verwaltungsgebäudes der Kali-Chemie AG in Hannover, ebenfalls Neubau eines Zentrallaboratoriums
 
1953
Solvay erwirbt die Mehrheitsbeteiligung an der Kali-Chemie AG
 
1958
Pankreon compositum – Pankreatin mit Galle
 
1959
Gerikreon – Enzym-Vitamin-Präparat
 
1960
Zusammenlegung der Produktionsstätten Altona und München: Gründung des Werkes Neustadt
 
1960
Pankreon für Kinder
 
1963
Pankreon (Granulat)
 
1966
Einweihung des Pharmazeutischen Forschungsinstitutes der Kali-Chemie AG in Hannover
 
1966
Pankreoflat (Enzyme mit Entschäumer)
 
1968
Pankreon forte – Pankreatin mit Galle
 
01.01.1972
Gründung der Kali-Chemie Pharma GmbH
 
1973
Pankreon 700
 
1974
Pankreoflat (Granulat)
 
22.03.1975
Patentanmeldung: Verfahren zur Herstellung von keimarmem, faserfreiem Pankreatin (Kali-Chemie Pharma); DE 2512746
 
08.06.1979
Patentanmeldung: Verfahren zur Herstellung von Pankreatin-Pellets und diese enthaltende Arzneimittel (Kali-Chemie Pharma, umgeschrieben auf Solvay Pharmaceuticals); DE 2923279
 
1983
Markteinführung Kreon (Pellets in Kapseln)
 
1985
Kreon (Pellets in Beuteln)
 
06.02.1992
Patentanmeldung: Verfahren zur Gewinnung von Pankreatin durch Querstrom-Ultrafiltration (Kali-Chemie Pharma, umgeschrieben auf Solvay Pharmaceuticals); DE 4203315
 
1992
Kreon 25000 (Pellets in Kapseln)
 
11.08.1993
Patentanmeldung: Pankreatinmikropellets mit magensaftresistentem Überzug (Kali Chemie Pharma, umgeschrieben auf Solvay Pharmaceuticals); EP 0583726
 
1994
Kreon für Kinder (Mikropellets)
Kreon 25000 (Mikropellets in Kapseln)
 
1996
Kreon 10000 (Mikropellets in Kapseln)
 
01.01.1997
Solvay Pharmaceuticals GmbH/Solvay Arzneimittel GmbH
 
12.06.1997
Patenanmeldung: Verwendung von komplexen Lipiden als stabilisierende Zusätze zu pharmazeutischen Zubereitungen von Verdauungsenzymgemischen (Solvay Pharmaceuticals); DE 19724845

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